Forschungsprogramm

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Politische Denkmäler erinnern an historische Ereignisse. In ihnen drücken sich Geschichtsbilder und das politisch-moralische Selbstverständnis derjenigen aus, die sie errichtet haben. Die Sichtweisen der Denkmalstifter sind nicht nur von dem historischen Ereignis selbst, sondern auch von der Nachgeschichte geprägt, in der sich Diskurse und politische Praktiken ausgebildet haben, wie mit dem historischen Ereignis umzugehen ist. Die Aufgabe der Denkmalforschung ist es, die dem Denkmal selbst eigentümliche Verschränkung von Geschichte, Nachgeschichte und Gegenwart historisch-empirisch zu rekonstruieren und zu analysieren. Denkmäler werden dabei als kommunikative Handlungen von Akteuren verstanden, die Interessen und Intentionen verfolgen und sich mit Denkmalsetzungen an ein imaginiertes Publikum richten. Die Denkmalforschung bietet die Chance, zur Aufarbeitung der „Aufarbeitung“ beizutragen und damit zur kritischen Sichtung von politischer Kultur.

Gegenwärtig arbeitet die Forschungsgruppe über die staatliche Erinnerungspolitik zum Nationalsozialismus in der BRD. Untersuchungsrahmen ist die lange, bis in die ersten Nachkriegsjahre zurückreichende Geschichte staatlicher Politik und Diskurse zur „Bewältigung“ des Nationalsozialismus und seiner Folgen. Erste Teilergebnisse liegen mit zwei Studien vor, die sich mit der Erinnerungspolitik in der Kohl-Ära befassen. Die erste Studie vergleicht die fünf „nationalen“ Denkmäler zur Erinnerung an Opfergruppen des NS-Regime, die nach 1989 in Berlin errichtet wurden. Die zweite Studie diskutiert die Motive Helmut Kohls für die Unterstützung des so genannten „Holocaust-Denkmal“-Projekts. Um dessen Erinnerungspolitik in die Entwicklung des deutschen historischen Selbstverständnisses seit 1945 einzuordnen, bereitet die Forschungsgruppe gegenwärtig unter dem Stichwort „Narrativ der Mitte“ eine dritte Untersuchung vor. Ausgehend von Äußerungen Adenauers wird versucht, das Bild zu rekonstruieren, das Adenauer von der NS-Geschichte und „den Deutschen“ hatte.

Die Arbeit der Forschungsgruppe zielt langfristig auf die Rekonstruktion der gesamten staatlichen Erinnerungspolitik seit den Anfängen der Bundesrepublik. Wie die Bundespolitik mit einer belasteten Vergangenheit umging, was sie und was sie nicht memorialisierte, welche Gründe sie dafür hatte und welche politischen Zwecke sie damit jeweils verfolgte, welche Rolle dabei Wandlungen im öffentlichen Diskurs und in den Einstellungen der Wahlbevölkerung spielten – diese Fragen können nur in dem weiten Zusammenhang von Erinnerung und Politik ausgeleuchtet werden. Die Untersuchungen der Forschungsgruppe sollen dazu einen Beitrag leisten.

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